Ausgabe 15/2018 - 13.04.2018
Düsseldorf, Lesbos (epd). Die Integrationsexpertin der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Ioanna Zacharaki, kritisiert den Umgang der europäischen und griechischen Behörden mit den Flüchtlings-Hotspots in Griechenland. Seit über drei Jahren herrsche auf der Insel Lesbos der Ausnahmezustand, sagte Zacharaki, die regelmäßig Flüchtlingshilfsprojekte auf Lesbos besucht und sich derzeit wieder dort aufhält, am 10. April. Es fehle nicht nur an einer nachhaltigen europäischen Flüchtlingsregelung, sondern auch an Geld und Versorgung des Erstaufnahme-Camps Moria, das für knapp 3.000 Menschen ausgelegt sei, tatsächlich aber knapp 6.000 Flüchtlinge beherberge.
Es dauere "unendlich lange", bis von den versprochenen EU-Geldern für den Ausbau des Camps, Verpflegung und medizinische Versorgung etwas ankomme, sagte Zacharaki. Die Bewohner der Insel vermuteten inzwischen, dass all das mit Absicht geschehe, um Flüchtlinge davon abzuhalten, nach Europa zu fliehen.
Auch wenn längst nicht mehr so viele Menschen über das Mittelmeer Lesbos erreichten wie zu Beginn der Flüchtlingskrise vor drei Jahren, seien seit Jahresbeginn wieder fast 3.000 Menschen über die Türkei dorthin geflohen, schildert Zacharaki. Täglich landeten Fischerboote voller Flüchtlinge, die alle in das Camp Moria gebracht würden.
"Die desolaten Zustände sorgen für Aufstände und Gewaltausbrüche. Es gab Selbstmordversuche." Die EU-Regelung, alle Geflüchteten in der Peripherie Europas zu verwalten und die Bürokratie in Griechenland erschwerten die Arbeit vor Ort.
Zacharaki betonte, sie sei beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Einwohner, obwohl sie selbst nicht viel zum Leben hätten. "Alle sind wütend über die Flüchtlingssituation auf ihrer Ferieninsel, aber diese Wut lassen sie nicht an den geflüchteten Menschen aus." Allerdings hofften die Menschen nicht mehr auf die Behörden oder Politiker der EU. Sie sagten: "Die Welt hat uns vergessen."